Gloria Spezial II

H i s t o r i s c h e  R a d i o s :

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BRAUN :: AKKORD :: TELEFUNKEN :: PHILIPS ::
Röhren :: Ge-Transistoren :: frühe ICs ::



1923-1938  
1939-1945  
1946-1973  
1974-1990  
1991-2000  
 
 
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1923-1938

Verlorener 1. Weltkrieg, 9 Mill.Tote; Matrosenaufstand, Inflation, Unruhen, Versailler Verträge, Weimarer Republik, Weltwirtschaftskrise, ab 30.01.1933 NS-Diktatur, Progrome, KZs
In Deutschland begann die Ausstrahlung eines regelmäßigen Rundfunkprogramms am 29. Oktober 1923 um 20 Uhr aus dem VOX-Haus in Berlin.
Die Sendungen dauerten zunächst etwa eine Stunde und beinhalteten neben aktueller Nachrichten auch Gesangs- und Textbeiträge aller Art.
Die ersten Empfangsgeräte - für einen überschaubaren Kreis von Radio-Amateuren - waren Detektor-Empfänger. Die Hersteller solcher Geräte schossen in den ersten 2 bis 3 Jahren wie Pilze aus dem Boden.
Ab 1924 waren bereits röhrenbestückte Apparate - für eine zahlungskräftige Clientel - verfügbar. Wir erinnern uns: nach dem verlorenen 1. Weltkrieg und der folgenden Inflation war erst im Frühjahr 1924 mit der Einführung der Goldmark eine gewisse Beruhigung eingetreten.
Der nebenstehende Rundfunkempfänger OE333 von LOEWE (das Bild zeigt einen Nachbau) wurde mit einer Dreifachröhre ausgestattet (die erste integrierte Schaltung) und war ab 1927 erhältlich. Etwa ein Jahr später gab es auch eine Version mit einem Bakelitgehäuse.
1928 wurde z.B. der E52 von MENDE in einem Truhengehäuse gefertigt. Diese ersten Radios wurden mit Batterien (Anodenspannung und Heizung) betrieben; erst ab ca. 1929 wurden die ersten Geräte für Netzspannung (Gleich- oder Wechselspannung) angeboten, wie z.B. der E82W von Signalbau HUTH.
Eine weitere Besonderheit: der Lautsprecher - sofern das Gerät die Wiedergabelautstärke erlaubte - wurde erst ab ca. 1931 in das Gehäuse integriert!
Ab 1933 wurde zwecks umfassender Nachrichtenversorgung (Propaganda des Regimes!) die Produktion von sog. Volksempfängern angekurbelt; verschiedene Versionen in vier Gehäusevarianten wurden von 1933 bis Ende 1944 in Millionenauflage - als Gemeinschaftserzeugnis vieler Rundfunk-Produzenten und Werkstätten - zusammengebaut. Diese Radios waren alles sog. Einkreiser, d.h. ein Abstimmkreis (=Spule und Drehkondensator) plus Verstärkung und Rückkopplung.
Der erste Super (Superheterodyn-Prinzip: Überlagerungsempfänger) war ab etwa 1936 im Angebot; wegen des höheren Aufwands - und Preises - war der Erwerb ebenfalls nur besser Betuchten möglich.
Zur Olympiade 1936 in Berlin waren die ersten deutschen Fernsehkameras - mit wenigen Exemplaren von geeigneten Empfangs- und Wiedergabegeräten (=Fernsehempfänger, z.B. Telefunken E1- Einheits- Fernsehempfänger) im Einsatz.
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OE333-Nachbau

1939-1945

2. Weltkrieg, weltweit ca. 60 Mill. Tote - verbrannte Erde, Schutt und Asche -, Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki.
Ab 1939 wurde der Deutsche Kleinempfänger auch als Batterieversion mit drei Röhren produziert, wohl hauptsächlich als Truppenbetreuungsempfänger (Bild rechts).
Ab 1940 wurden qualitativ höherwertige Radios fast nur noch zu Exportzwecken (Devisenbeschaffung für die immensen Rüstungsausgaben) gefertigt. Im gleichen Jahr begann die Produktion von Geräten mit den neuen Batterie-Stahlröhren für den Export und als Truppenbetreuungsempfänger. Dieses waren jeweils individuelle Entwicklungen - kein Gemeinschaftserzeugnis -, obwohl die Röhrenbestückung nur zwei Varianten zuließ:
DCH11-DF11-DAF11-DL11
oder
DCH11-DF11-DAF11-DC11-DDD11
Ein Beispiel für die Variante 1 ist der Braun BSK441 Piccolo; die Luftwaffenversion war der Koffer ER3. Bis zum Frühjahr 1945 wurden dann vor allem noch - sofern die Fertigungsstätten nicht zerbombt waren - Röhren für Reparaturzwecke bzw. einige neue Typen für bestimmte Militär-Projekte produziert.
Hierzu gehörten die sog. Wehrmachtsröhren; es handelte sich dabei um insgesamt über 300 verschiedene Spezialtypen für annähernd 100 verschiedene Fassungen (!).
Aufgrund der gestempelten Fertigungsdaten wurden vor allem auch Stahlröhren (E- und D-Serie, die harmonischen...) hergestellt. Die Röhren erhielten zusätzliche Stempel, wie Kriegsmarine, Wehrmacht oder B.A.L. für die Luftwaffe (Beschaffungs-Amt für die Luftwaffe).
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DKE38 Batterie

1946-1973

Trümmerfrauen, Schwarzmarkt, Währungsreform, Gründung der Bundesrepublik, Konjunktur, Aufschwung, Wohlstand, Lohn-/Preis-Spirale
Auch nach dem Krieg war an ein normales Leben nicht mehr zu denken; viele Städte lagen in Schutt und Asche, Vertriebene und Überlebende suchten verzweifelt nach einem Dach über dem Kopf und hatten fast nichts zum Essen. Viele Männer waren entweder im Krieg gefallen, in Kriegsgefangenschaft geraten oder verstümmelt. Etwaiges Geld war fast nichts mehr wert, und so blühte der Schwarzmarkthandel und der Tausch von noch Brauchbarem auf dem Lande gegen Eier, Speck, ein paar Kartoffeln oder etwas Brot.
Erst nach der Währungsreform am 20. Juni 1948 lief die Produktion langsam - aber sicher - wieder an, nicht zuletzt auf Betreiben der Besatzermächte. Die ersten Radios enthielten häufig noch Wehrmachtsröhren, sowie Stahlröhren aus Restbeständen. Es war die Chance für neue Firmen wie Metz (hier: Metz Baby), Grundig oder Akkord. Firmen aus dem sowjetisch besetzten Osten fassten im Westteil Fuß, wie z.B. Mende aus Dresden als NordMende in Bremen.
Bei den Heimradios setzte sich in den nächsten Jahren die mit goldfarbenen Leisten, mit goldfarbenen Fäden durchwirkter Lautsprecherstoff und elfenbeinfarbenen Klaviertasten überladene Form durch - Volksmund: Gelsenkirchener Barock - ; der Empfang bzw. der Klang wurde durch diese Applikationen sicher nicht besser, aber solche Geräte wurden - warum auch immer - gekauft!
Ab 1956 begann die Firma Braun, mit modernem Outfit - für einen überschaubaren Markt - Licht in das Einheitsdunkelbraun der Tonmöbel zu bringen. Heute werden solche Geräte immer noch gern von Sammlern und Design-Liebhabern genommen.
Durch die Erfindung des Transistors Weihnachten 1947 rollte eine Welle an, die 1960 ihr Ziel durch die Verfügbarkeit der kompletten Produktpalette UKW-ZF-NF-Kleinleistung erreichte. Alle wollten nun - trotz des höheren Preises - ein transistorisiertes (Koffer-/Taschen-) Radio haben; mit der Welle der Freude - also UKW - war der Hörgenuss vollkommen!
Beispiel: alle Kofferradiomodelle und Taschenradios mit Transistoren der Braun AG.
Auch Modelle mit eingebautem Plattenspieler wurden gern gekauft, wie z.B. das Metz Babyphon.
Infolge der massiven Importe aus Japan, des damit verbundenen Preiskampfes und der immer stärker steigenden Löhne (Lohn-/Preis-Spirale) waren deutsche Produkte nicht mehr konkurrenzfähig; Ausnahme: hochwertige Geräte, wie z.B. von Braun. Diese wurden noch bis etwa 1990 produziert und verkauft - und werden heute noch gesucht. Die anderen Firmen mussten in dem Zeitraum 1970 bis 1973 - oder kurz danach - aufgeben. Nur durch Spezialisierung, wie z.B. bei LOEWE, konnte ein Überleben gesichert werden.
NordMende Mambo 1958

1974 - 1990

Stagnation, erste Einstellungsstopps, große Koalition, Flut von Importen aus Fernost, Beginn von Frühverrentungsprogrammen, Wiedervereinigung
Der Trend zu Kompaktanlagen, also Kombinationen mit Empfangsteil, Verstärker, Plattenspieler und Cassettendeck, stieg an. Kaum eine der noch existierenden Firmen hatte nicht solche Modelle im Angebot. Leider war die Qualität (Gehäuse und / oder Technik) dieser Anlagen nicht immer das, was der Hörer sich wünschte. Aber es musste ja auch bezahlbar bleiben... und wenn eine Komponente versagte, war die gesamte Anlage nichts mehr wert. Einen Blickfang stellten Wandanlagen dar, z.B. mit senkrecht laufendem Tangentialplattenspieler (s.Bild: Amstrad/Schneider).
Da hatten es die Baustein-Anlagen (auch Stapelware genannt) schon besser: man konnte sich schrittweise die Kombination aufbauen bzw. im Falle eines Defekts das betreffende Gerät tauschen. Da tauchte das nächste Problem auf: in jedem Modelljahr änderten sich die Maße der Geräte, die Farbe und Formen der Fronten! So war es nie "eine Einheit", sondern ein Konglomerat aus verschiedenen Stilen von unterschiedlichen Firmen aus verschiedenen Modelljahren!
Tangentialspieler-Anlage

1991 - 2000

Firmenschließungen, "Soli", Massenentlassungen, hohe Arbeitslosigkeit, Hartz-Programme, große Koalition, El Quaida, Selbstmordanschläge, Irak
Immer wieder tauchten sogenannte "Fun Radios" auf, also kleine Radios mit skurilen Gehäusen: Handy (mobile phone), Korallenfisch, Kleinst-Rollkoffer, 9V-Batterie, CD-Hülle, Cola-Dose u.v.a.m.
Micro-Anlagen mit CD-Player waren der Renner, allerdings mit zweifelhaften Leistungsangaben des Verstärkerteils; 2 x 200 Watt aus einem Plastikschächtelchen mit 1 kg Gewicht???
Auch das Design war - vorsichtig ausgedrückt - stark gewöhnungsbedürftig...
Immer noch verfügbar - und lehrreich (seit ca. 1965): LECTRON Experimentieren mit magnetischen Bausteinen; hier ist ein kleiner Ausschnitt aus meiner Sammlung zu sehen.
Meine selbst gebastelten Geräte erscheinen hier in unregelmäßiger Folge...
Fun-Radios
Weitere Geräte und Zubehör zum Thema RADIO sind hier zu finden...
RM-Badge


 

 
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